







Hans Christian Andersen 

Hofhahn und Wetterhahn


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Zwei Hhne waren da, einer auf dem Misthaufen, einer auf dem Dach, hoffrtig waren sie beide, wer von den beiden richtete aber am meisten aus? Sage uns deine Meinung, wir behalten dessen ungeachtet doch unsere eigene bei.
Der Hhnerhof war durch einen Holzzaun von einem anderen Hof getrennt, in welchem ein Misthaufen lag, und auf dem Misthaufen lag und wuchs eine groe Gurke, die das Bewutsein hatte, ein Mistbeetgewchs zu sein.
"Dazu wird man geboren", sprach es im Innern der Gurke, "nicht alle knnen als Gurken geboren werden, es mu auch andere Arten geben! Die Hhner, die Enten und der ganze Viehbestand des Nachbarhofes sind auch Geschpfe. Zu dem Hofhahn auf dem Holzzaun sehe ich nun empor, er ist freilich von ganz anderer Bedeutung als der Wetterhahn, der so hochgestellt ist und nicht einmal kmpfen, geschweige dann krhen kann; er hat weder Hhner noch Kchlein; er denkt nur an sich und schwitzt Grnspan! Nein, der Hofhahn, das ist ein Hahn! Sein Auftreten ist Tanz! Sein Krhen ist Musik; wo er hinkommt, wird es einem gleich klar, was ein Trompeter ist! Wenn er nur hier herein kme! Und wenn er mich auch mit Stumpf und Stiel auffre, wenn ich auch in seinem Krper aufgehen mte, es wre ein seliger Tod!" sprach die Gurke.
Nachts kam ein entsetzliches Wetter; Hhner, Kchlein und selbst der Hahn suchten Schutz; den Holzzaun zwischen den beiden Hfen ri der Wind nieder, da es krachte; die Dachziegel fielen herunter, aber der Wetterhahn sa fest; er drehte sich nicht einmal, er konnte sich nicht drehen, und doch war er jung, frisch gegossen, aber besonnen und gesetzt; er war alt geboren, hnelte durchaus nicht den fliegenden Vgeln im Himmelsraum, den Sperlingen, den Schwalben, nein, die verachtete er, sie seien Piepvgel von geringer Gre, ordinre Piepvgel! Die Tauben, meinte er, die seien gro und blank und schimmernd wie Perlmutt, shen aus wie eine Art Wetterhahn, allein sie seien dick und dumm, ihr ganzes Sinnen und Trachten gehe darauf aus, den Wams zu fllen, auch seien sie langweilige Dinger im Umgang, sagte der Wetterhahn.
Auch die Zugvgel hatten dem Wetterhahn ihre Visite gemacht, ihm von fremden Lndern, von Luftkarawanen und haarstrubenden Rubergeschichten mit den Raubvgeln erzhlt, das war neu und interessant, das heit, das erste Mal, aber spter, das wute der Wetterhahn, wiederholten sie sich, erzhlten stets dieselben Geschichten, und das ist langweilig. Sie waren langweilig, und alles war langweilig, mit niemandem konnte man Umgang pflegen, jeder und alle waren fade und borniert.
"Die Welt taugt nichts!" sprach er. "Das Ganze ist dummes Zeug!" Der Wetterhahn war, was man blasiert nennt, und diese Eigenschaft htte ihn gewi fr die Gurke interessant gemacht, wen sie es gewut htte, allein sie hatte nur Augen fr den Hofhahn, und der war jetzt auf dem Hof bei ihr. Den Holzzaun hatte der Wind umgeblasen, aber das Ungewitter war vorber.
"Was sagt ihr zu dem Hahnenschrei?" sprach der Hofhahn zu den Hhnern und Kchlein. "Das war ein wenig roh, die Eleganz fehlte." Und Hhner und Kchlein traten auf den Misthaufen, und der Hahn betrat ihn mit Reiterschritten.
"Gartengewchs!" sprach er zu der Gurke, und durch dieses eine Wort wurde ihr seine ganze tiefe Bildung klar, und sie verga, da er in sie hackte und sie auffra. "Ein seliger Tod!" 
Und die Hhner kamen, und die Kchlein kamen, und wenn das eine luft, so luft das andere auch, und sie glucksten und piepten, und sie schauten den Hahn an und waren stolz darauf, da er von ihrer Art war.
"Kikeriki", krhte er, "die Kchlein werden sofort zu groen Hhnern, wenn ich es ausschreie in den Hhnerhof der Welt!" und Hhner und Kchlein glucksten und piepten, und der Hahn verkndete eine groe Neuigkeit: 
"Ein Hahn kann ein Ei legen! Und wit ihr, was in dem Ei liegt? In dem Ei liegt ein Basilisk. Den Anblick seines solchen vermag niemand auszuhalten; das wissen die Menschen, und jetzt wit ihr es auch, wit, was in mir wohnt, was ich fr ein Allerhhnerhofskert bin!" 
Und darauf schlug der Hofhahn mit den Flgeln, lie den Hahnenkamm schwellen und krhte wieder; und es schauderte ihnen allen, den Hhnern und den kleinen Kchlein, aber sie waren gar stolz, da einer von ihren Leuten so ein Allerhhnerhofskerl war; sie glucksten und piepten, da der Wetterhahn es hren mute, und er hrte es, aber er rhrte sich nicht dabei.
"Das Ganze ist dummes Zeug!" sprach es im Innern des Wetterhahns. "Der Hofhahn legt keine Eier, und ich bin zu faul dazu; wenn ich wollte, ich knnte schon ein Windei legen, aber die Welt ist kein Windei wert. Das Ganze ist dummes Zeug! 
Jetzt mag ich nicht einmal lnger hier sitzen." 
Und damit bracht der Wetterhahn ab, aber er schlug nicht den Hofhahn tot, obgleich er es darauf abgesehen hatte, wie die Hhner sagten; und was sagt die Moral? "Immerhin noch besser zu krhen als blasiert zu sein und abzubrechen!" 
 
