








Hans Christian Andersen 

Die groe Seeschlange


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Es war einmal ein kleiner Seefisch aus guter Familie, des Namens entsinne ich mich nicht mehr, den mssen die Gelehrten dir sagten. Der kleine Fisch hatte achtzehnhundert Geschwister, alle gleich alt; sie kannten ihren Vater und Ihre Mutter nicht, sie muten gleich selber fr sich sorgen und umherschwimmen, aber das war ein groes Vergngen fr sie. Wasser zum Trinken hatten sie genug, das ganze Weltmeer, an Nahrung dachten sie nicht, die wrde wohl kommen; jeder wrde seiner Neigung folgen, jeder wrde seine eigene Geschichte haben, ja, daran dachte auch keiner. 
Die Sonne schien in das Wasser hinab, es schimmerte um sie herum, es war so klar, es war eine Welt mit den wunderlichsten Geschpfen, und einige waren so schrecklich gro, mit mchtigen Rachen, die konnten die achtzehnhundert Geschwister verschlingen, aber auch daran dachten sie nicht, denn bisher war noch keines von ihnen verschlungen worden, Die Kleinen schwammen zusammen, dicht nebeneinander, wie die Heringe und Makrelen schwimmen; aber whrend sie so im Wasser schwammen und an gar nichts dachten, sank mit einem schrecklichen Gerusch von oben herab mitten unter sie ein langes, schweres Ding, das gar kein Ende nehmen wollte; lnger und lnger streckte es sich, und jeder kleine Fisch, den es traf, wurde zerdrckt oder bekam einen Knacks, den er nie wieder verwinden konnte. Alle kleinen Fische und auch die groen, von der Meeresflche hinab bis auf den Grund, stoben erschreckt beiseite; das schwere, gewaltsame Ding senkte sich tiefer und tiefer, es ward lnger und lnger, meilenlang, durch das ganze Meer. Fische und Schnecken, alles was schwimmt, alles, was kriecht oder von den Strmungen getrieben wird, sprte dies entsetzliche Ding, diesen unendlichen, unbekannten Meeraal, der so ganz auf einmal von oben herabgekommen war. 
Was fr ein Ding war dies nur einmal? Ja, wir wissen es! Es war das groe, meilenlange Telegraphenkabel, das die Menschen zwischen Europa und Amerika versenkten. 
Es entstand eine Angst, es entstand eine Bewegung zwischen den rechtmigen Bewohnern des Meeres, berall, wo das Kabel versenkt wurde. Der fliegende Fisch schnellte in die Hhe, ber die Meeresflche, so hoch er nur konnte, ja, der Knurrhahn sprang einen ganzen Bchsenschu ber das Wasser empor, denn das kann er; andere Fische flohen auf den Meeresgrund, sie schossen mit einer solchen Heftigkeit hinab, da sie lange, bevor das Kabeltau noch gesehen war, dort anlangten; sie erschreckten Kabeljau und Scholle, die friedlich in der Meerestiefe wanderten und ihre Mitgeschpfe fraen. 
Ein paar Meerwalzen erschraken so sehr, da sie ihren Magen ausspuckten, aber trotzdem weiterlebten, denn das konnten sie. Viele Hummern und Taschenkrebse verlieen ihren guten Harnisch und muten die Beine zurcklassen. 
Whrend all dieser Angst und Verwirrung kamen die achtzehnhundert Geschwister auseinander und begegneten sich nicht wieder oder kannten einander wenigstens nicht mehr; nur ein Dutzend blieb auf demselben Fleck, und als sie sich ein paar Stunden ruhig verhalten hatten, verwanden sie den ersten Schecken und fingen an, neugierig zu werden. 
Sie sahen sich um; sie sahen aufwrts, und sie sahen abwrts, und da in der Tiefe glaubten sie das schreckliche Ding zu erblicken, das sie so in Angst versetzt hatte, gro wie klein. Das Ding lag lang ber den Meeresboden ausgestreckt, so weit sie sehen konnten; sehr dnn war es, aber sie wuten ja nicht, wie dick es sich machen konnte oder wie stark es war. Es lag ganz still, aber, dachten sie, das konnte ja Hinterlist sein. 
"Lat es liegen, wo es liegt! Es geht uns gar nichts an!" sagte der vorsichtigste von den kleinen Fischen, aber der allerkleinste von ihnen konnte es sich doch nicht versagen, sich Gewiheit darber zu verschaffen, was das Ding wohl sein knne; von oben war es herabgekommen, von obenher mute man am besten Auskunft einholen knnen, und so schwammen sie denn zur Meeresoberflche hinauf; es war windstilles Wetter. 
Da begegneten sie einem Delphin; das ist so ein Springgesell, ein Meerstreicher, der Purzelbume auf der Wasserflche schlagen kann; Augen zum Sehen hat er, und er mute gesehen haben, mute Bescheid wissen; den fragten sie, aber er hatte nur an sich selber und an seine Purzelbume gedacht, hatte nichts gesehen, wute nichts zu antworten, und da schwieg er denn und sah stolz aus. 
Dann wandten sie sich an den Seehund, der gerade niedertauchte; der war hflicher, obwohl er kleine Fische frit, aber heute war er satt. Er wute ein wenig mehr als der Springfisch. 
"Ich habe manch liebe Nacht auf einem nassen Stein gelegen und landeinwrts gesehen, meilenweit von hier; da gibt es hinterlistige Geschpfe, die werden in ihrer Sprache Menschen genannt, sie stellen uns nach, gewhnlich entschlpfen wir ihnen aber doch, das habe ich verstanden, und der Seeaal, von dem ihr redet, hat es auch verstanden. Er ist oben an Land in ihrer Macht gewesen, wohl seit undenkbaren Zeiten; von dort haben sie ihn auf ein Schiff gebracht, wohl um ihn bers Meer nach einem andern fernliegenden Land zu schaffen. Ich sah, welch eine Mhe sie damit hatten, aber sie konnten ihn bezwingen, er war ja an Land matt geworden. Sie legten ihn in Krnzen und Kreisen zusammen, ich hrte, wie er sich wand und sich wehrte, als sie ihn an Bord brachten, aber er entkam ihnen doch, floh hier hinaus. Sie hielten ihn mit aller Gewalt fest, viele Hnde hielten ihn, er entschlpfte ihnen doch und gelangte auf den Meeresboden, da liegt er, denke ich, bis auf weiteres!" 
"Er ist ziemlich dnn!" sagten die kleinen Fische. 
"Sie haben ihn ausgehungert!" sagte der Seehund. "Aber er wird sich bald erholen, wird seine alte Dicke und Lnge wiedergewinnen. Ich nehme an, da dies die groe Seeschlange ist, vor der den Menschen so bange ist, und von der sie soviel reden; bisher habe ich sie noch niemals gesehen und habe auch nie daran geglaubt; jetzt glaube ich, da sie es ist!" Und dann tauchte der Seehund unter. 

"Wieviel er wute! Wieviel er redete!" sagten die kleinen Fische. "Ich bin noch nie so klug gewesen! - Wenn es nur nicht Lgen sind!" 
"Wir knnten ja hinabschwimmen und die Sache untersuchen!" sagte der Kleinste. 
"Unterwegs hren wir die Ansicht der anderen!" 
"Ich mache keinen Schlag mit meinen Flossen, um etwas zu erfahren!" sagten die andern und wandten sich ab. 
"Aber das tue ich!" sagte der Kleinste und lenkte seinen Kurs hinab in das tiefe Wasser; aber er war weit entfernt von der Stelle, wo das "lange, versenkte Ding" lag. Der kleine Fisch sah und suchte nach allen Seiten tief unten auf dem Meeresgrund. 
Noch nie war ihm seine Welt so gro erschienen. Die Heringe schwammen in groen Schwrmen, schimmernd wie ein Riesenband aus Silber, die Makrelen schlugen dieselbe Richtung ein und sahen noch prchtiger aus. Da kamen Fische in allen Gestalten und mit Zeichnungen in allen Farben; Medusen, die halbdurchsichtigen Blumen glichen, die sich von den Strmungen tragen und fhren lieen. Groe Pflanzen wuchsen aus dem Meeresboden auf, klafterhohes Gras und palmenfrmige Bume, jedes Blatt mit schimmernden Schaltieren besetzt. 
Endlich gewahrte der kleine Seefisch einen langen, dunkeln Streif dort unten und steuerte darauf zu, aber das war weder Fisch noch Tau, es war die Reling eines groen versunkenen Fahrzeugs, dessen oberstes und unterstes Deck durch den Druck des Meeres zerbrochen war. Der kleine Fisch schwamm in den Raum hinein, aus dem die vielen Menschen, die umgekommen waren, als das Schiff sank, jetzt alle bis auf zwei weggeschwemmt waren; eine junge Frau lag dort ausgestreckt mit einem kleine Kind in ihren Armen. Das Wasser hob sie und wiegte sie gleichsam, sie schienen zu schlafen. Der kleine Fisch erschrak sehr, er wute ja nicht, da sie nicht wieder erwachen konnten. Die Wasserpflanzen hingen wie Laubwerk ber die Reling herab, rankten sich um die beiden schnen Leichen der Mutter und des Kindes. Es war so still dort und so einsam. Der kleine Fisch machte sich, so schnell er nur konnte, von dannen, schwamm dahin, wo das Wasser beleuchtet war, wo Fische zu sehen waren. Er war noch nicht weit gekommen, da begegnete er einem jungen Walfisch, der schrecklich gro war. 
"Verschlinge mich nicht!" sagte der kleine Fisch. "Ich bin ja nicht einmal ein Bissen, so klein bin ich, und es ist mir eine groe Freude zu leben!" 
"Was willst du so tief hier unten, wohin deine Art nicht kommt?" fragte der Walfisch. Und dann erzhlte der kleine Fisch von dem langen wunderlichen Aal oder was fr ein Ding es sein mchte, das sich von oben herabgesenkt und selbst die allermutigsten Meergeschpfe erschreckt hatte. 
"Ho, ho!" sagte der Walfisch und sog so gewaltig Wasser ein, da er einen mchtigen Wasserstrahl von sich geben mute, wenn er an die Meeresflche kam und Luft schpfte. "Ha, ha!" sagte er. "Das also war das Ding, das mir den Rcken kitzelte, als ich mich umwandte! Ich glaubte, es sei ein Schiffsmast, den ich gebrauchen knnte, um mich zu jucken! Aber hier in dieser Gegend war es nicht. 
Nein, viel weiter hinaus liegt das Ding. Ich will es doch gleich mal untersuchen, ich habe gerade nichts weiter zu tun!" 
Und dann schwamm er vorwrts, und der kleine Fisch schwamm hinterdrein, nicht zu nahe, denn wo der groe Walfisch durch das Wasser schwamm, entstand gleichsam ein reiender Strom. 
Sie begegneten einem Hai und einem alten Schwertfisch; die beiden hatten auch von dem wunderlichen Seeaale gehrt, der so lang und so dnn war; gesehen hatten sie ihn nicht, aber sie wollten ihn sehen. 
Jetzt kam eine Meerkatze. 
"Ich komme mit!" sagte sie; sie wollte doch denselben Weg. "Wenn die groe Seeschlange nicht dicker ist als ein Ankertau, dann will ich sie schon in einem Bi durchbeien!" Und dabei ffnete sie ihr Maul und zeigte ihre sechs Reihen Zhne. "Ich kann Merkzeichen in einen Schiffsanker beien, da dann ich den Stengel wohl auch durchbeien!" 
"Da ist er!" sagte der groe Walfisch. "Ich kann ihn sehen!" Er glaubte, da er besser sehen knne als die andern. "Seht, wie er sich hebt, seht, wie er sich windet und beugt und krmmt!" 
Aber das war er gar nicht, es war ein ungeheurer groer Seeaal, mehrere Ellen lang, der sich nherte. 
"Den hab ich schon frher gesehen", sagte der Schwertfisch, "der hat nie groen Aufruhr im Meer verursacht oder irgendeinem groen Frisch Schrecken eingejagt!" 
Und dann sprach sie mit ihm von dem neuen Aal und fragten, ob er mit auf die Entdeckungsreise wolle. 
"Ist der Aal lnger als ich", sagte der Seeaal, "dann soll ihm ein Unglck geschehen!" 
"Ja, dem soll ein Unglck geschehen!" sagten die anderen. "Wir sind genug, um ihn nicht zu dulden!" Und dann eilten sie weiter. 
Aber da kam ihnen etwas in den Weg, ein wunderliches Ungeheuer, das grer war als sie alle zusammen. 
Es sah aus wie eine schwimmende Insel, die sich nicht an der Oberflche zu halten vermochte. Es war ein uralter Walfisch. Sein Kopf war mit Wasserpflanzen berwuchert, der Rcken mit so unendlich vielen Austern und Muscheln besetzt, da seine schwarze Haut ganz weigefleckt war. 
"Komm mit, Alter", riefen sie ihm zu, "hier ist ein neuer Fisch angekommen, den wir nicht dulden wollen!" 
"Ich will lieber liegenbleiben, wo ich liege!" sagte der alte Walfisch. "Lat mich in Ruhe! Lat mich liegen! Ja, ja, ja, ja! Ich leide an einer schweren Krankheit. Die einzige Linderung gewhrt es mir, wenn ich an die Meeresflche hinaufsteige und den Rcken auer Wasser halte. Dann kommen die groen Seevgel und kraulen mich, das tut so gut! Wenn sie die Schnbel nur nicht zu tief hineinhacken, oft picken sie bis in meinen Speck hinein. Sehr nur einmal" Das ganze Gerippe eines Vogels sitzt mir noch auf dem Rcken; der Vogel schlug seine Klauen zu tief ein und konnte nicht wieder loskommen, als ich auf den Grund tauchte. Jetzt haben die kleinen Fische ihn abgefressen. Sehr nur, wie er aussieht und wie ich aussehe! Ich bin schwerkrank!" 
"Das ist nichts als Einbildung", sagte der Walfisch. Ich bin niemals krank. Kein Fisch ist krank." 
"Entschuldigen Sie", sagte der alte Walfisch, "der Aal hat die Hautkrankheit, der Karpfen soll Pocken haben, und wir alle haben Eingeweidewrmer!" 
"Unsinn!" sagte der Haifisch; er mochte nichts mehr hren, die andern auch nicht, sie hatten ja etwas anderes zu tun. 
Endlich kamen sie an die Stelle, wo das Telegraphenkabel lag. Es hat ein langes Lager auf dem Meeresboden, von Europa nach Amerika hinber, hinweg ber Sandbnke und Meeresschlamm, ber Klippengrnde und Pflanzenwildnis, ja, ber ganze Korallenwlder; und dann wechseln die Strmungen da unten, die Wasserwirbel drehen sich, Fische wimmeln hervor, mehr in einem Schwarm als die zahllosen Vogelscharen, die die Menschen in der Zugvogelzeit sehen. Da ist ein Rhren, ein Pltschern, ein Summen, ein Sausen. Von diesem Sausen spukte es noch ein wenig in den groen, leeren Meeresmuscheln, wenn wir sie an unser Ohr halten. 
Jetzt kamen sie an die Stelle. 
"Da liegt das Tier!" sagten die groen Fische, und die kleinen sagten es auch. 
Sie sahen das Tau, dessen Anfang und Ende ihrem Gesichtskreis entschwand. 
Schwmme, Polypen und Gorgonen wiegten sich ber dem Meeresgrund, senkten und beugten sich ber das Tau, so da es bald verdeckt war, bald wieder sichtbar wurde. Seestachelschweine, Schnecken und Wrmer bewegten sich darum herum; riesige Spinnen, die eine ganze Besatzung von kriechenden Tieren mit sich schleppten, stolzierten auf dem Tau entlang. Dunkelblaue Meerwalzen oder wie das Gewrm heit, das mit dem ganzen Krper frit, lagen da und beschnffelten das neue Tier, das sich auf dem Meeresboden gelagert hatte. Scholle und Kabeljau wendeten sich im Wasser, um nach allen Seiten zu lauschen. Der Sternfisch, der sich immer in den Schlamm hineinbohrt und nur die beiden langen Stengel mit den Augen blicken lt, lag da und glotzte, um zu sehen, was aus der Bewegung herauskommen wrde. 
Das Telegraphenkabel lag ohne alle Bewegung da. Aber Leben und Gedanken waren darin; Menschengedanken gingen da hindurch. 
"Das Ding ist heimtckisch!" sagte der Walfisch. "Es ist imstande, mich auf den Bauch zu schlagen, und das ist nun einmal meine schwache Seite!" 
"Wir wollen uns vorfhlen!" sagte der Polyp. Ich habe lange Arme, ich habe geschmeidige Finger; berhrt habe ich ihn schon, jetzt will ich ihn einmal etwas fester anfassen." 
Und er streckte seine geschmeidigen, lngsten Arme nach dem Tau hinab, legte sie rund herum. 
"Eine Schale hat er nicht", sagte der Polyp. "er hat keine Haut! Ich glaube, er wird nie lebende Junge zur Welt bringen!" 
Der Seeaal legte sich lngs des Telegraphenkabels und streckte sich so lang aus, wie er nur konnte. 
"Das Ding ist lnger als ich!" sagte er. "Aber die Lnge macht es nicht, man mu Haut und Magen und Geschmeidigkeit haben!" 
Der Walfisch, der junge, starke Walfisch, neigte sich tief hinab, tiefer, als er jemals gewesen war. 
"Bist du Fisch oder Pflanze?" fragte er. "Oder bist du nur ein Machwerk von oben, das hier unten bei uns nicht gedeihen kann?" 
Aber das Kabel antwortete nicht; das ist nicht seine Art. Es gingen Gedanken durch seinen Leib hindurch, Menschengedanken; es fhrte sie in einer Sekunde, die vielen hundert Meilen von Land zu Land. 
"Willst du antworten, oder willst du durchgebissen werden?" fragte der gierige Hai, und alle die andern groen Fische fragten dasselbe: "Willst du antworten, oder willst du durchgebissen werden?" 
Das Tau rhrte sich nicht, es hatte seinen ganz aparten Gedanken, und einen solchen kann derjenige haben, der mit Gedanken angefllt ist. 
"Mgen sie mich durchbeien" Dann werde ich hinaufgezogen und komme in bester Ordnung wieder zurck; das ist schon andern meiner Art in weit kleineren Gewssern begegnet!" 
Deswegen antwortete das Tau nicht, es hatte anderes zu tun, es telegraphierte. 
lag von Amts wegen auf dem Grunde des Meeres. 
Oben auf der Erde ging jetzt die Sonne unter, wie die Menschen es nannten, sie glich dem rtesten Feuer, und alle Wolken des Himmels schienen wie Feuer, eine immer noch prchtiger als die andere. 
"Jetzt bekommen wir die rechte Beleuchtung", sagten die Polypen, "dann sieht man das Ding am Ende besser, falls es ntig ist!" 
"Drauflos! Drauflos!" rief die Meerkatze und zeigte alle ihre Zhne. 
"Drauflos" Drauflos!" sagten der Schwertfisch und der Walfisch und der Seeaal. 
Sie strzten vorwrts, die Meerkatze voran; aber im selben Augenblick, als sie in das Tau hineinbeien wollte, jagte der Schwertfisch aus lauter Aufgeregtheit sein Schwert in das Hinterteil der Meerkatze hinein; das war ein groes Versehen, und die Katze hatte nun keine Kraft mehr zum Bi. 
Es entstand ein wirres Durcheinander unten am Meeresgrund: groe Fische und kleine Fische, Meerwalzen und Schnecken gingen aufeinander los, fraen einander, wurden zerquetscht, zerdrckt. Das Tau lag still und verrichtete seine Arbeit, und das soll man tun. 
Oben brtete die finstere Nacht, aber die Milliarden und Milliarden von lebenden kleinen Tieren des Meeres leuchteten. Krebse, kaum so gro wie ein Stecknadelkopf, leuchteten. Es ist ganz wunderbar, aber so ist es nun einmal. 
Die Tiere des Meeres sahen das Telegraphenkabel an. 
"Was ist doch das Ding, und was ist es nicht?" 
Ja, das war die Frage. 
Da kam eine alte Meerkuh. Die Menschen nennen die Art: Meermann, oder Meermaid. 
Eine Sie war es, sie hatte einen Schwanz und zwei kurze Arme zum Pltschern, einen hngenden Busen und Tang und Muscheln im Haar und darauf war sie stolz. 
"Wollt ihr Kenntnis und Wissen erlangen", sagte sie, "so bin ich wohl die einzige, die euch dazu verhelfen kann. Aber dafr verlange ich gefahrlosen Weideplatz auf dem Meeresboden fr mich und die Meinen. Ich bin ein Fisch wie ihr. Und ich bin auch ein kriechendes Tier durch bung. Ich bin die Klgste im ganzen Meer, ich wei von allem, was sich hier unten regt, und von allem, was da oben vor sich geht. Das Ding da, ber das ihr euch die Kpfe zerbrecht, stammt von da oben, und was von da oben herunterplumpst, ist tot oder wird tot und machtlos; lat es liegen, wie es liegt. Es ist nur eine Menschenerfindung." "Ich glaube nun doch, da etwas mehr daran ist!" sagte der kleine Walfisch. 
"Halts Maul, Makrele!" sagte die groe Meerkuh. 
"Stichling!" sagten die andern, und das war eine noch grere Beleidigung. Und die Meerkuh erklrte ihnen, da das ganze Alarmtier, das ja brigens keinen Muck sagte, nur eine Erfindung von dem trocknen Land sei. Und sie hielt einen Vortrag ber die Verschlagenheit der Menschen. 
"Sie wollen sich unser bemchtigen", sagte sie, "das ist das einzige, wofr sie leben, sie spannen ihre Netze aus, stecken den Kder auf den Angelhaken, um uns zu locken. Dies hier ist eine Art groer Angelleine, und sie glauben, da wir daran anbeien werden, so dumm sind sie! Aber das sind wir nicht! Berhrt nur ja nicht das Machwerk, das lst sich in Fasern auf, wird zu Stckwerk und Schlamm, das Ganze. Was von oben kommt, hat alles einen Knacks, taugt nichts!" 
"Taugt nichts!" sagten alle Geschpfe des Meeres und hielten sich an die Meinung der Meerkuh, um auch eine Meinung zu haben. 
Der keine Seefisch behielt seinen eigenen Gedanken. "Die unendlich dnne, lange Schlange ist am Ende der wunderbarste Fisch im ganzen Meer. Ich habe eine Empfindung davon." 
"Ja, der wunderbarste!" sagen wir Menschen auch und sagen es mit Kenntnis und Gewiheit. 
Es ist die groe Seeschlange, von der schon lngst in Liedern und Sagen erzhlt ist. 
Sie ist geboren und grogezogen, entsprungen aus der Klugheit der Menschen und auf dem Meeresboden niedergelegt, wo sie sich von den Lndern des Ostens bis zu den Lndern des Westens erstreckt und die Botschaft so schnell weitertrgt, wie der Strahl des Lichts von der Sonne zu unserer Erde hinabdringt. Sie wchst, wchst an Macht und Ausdehnung, wchst Jahr fr Jahr, durch alle Meere, um die ganze Welt herum, unter den strmenden Wassern und des glasklaren Wassern, wo der Schiffer hinabsieht, als segele er durch die durchsichtige Luft, wo er wimmelnde Fische sieht, ein ganzes Farbenfeuerwerk. 
Ganz tief unten erstreckt sich die Schlange, eine sagenhafte, segenspendende Riesenschlange, die sich in den Schwanz beit, indem sie die Erde umschliet. 
Fische und kriechendes Gewrm rennt mit der Stirn dagegen, sie verstehen die Dinge von oben doch nicht: der Menschheit gedankenerfllte, in allen Sprachen redende und doch lautlose Schlage der Erkenntnis des Guten und Bsen, das wunderbarste von allen Wundern des Meeres, die groe Seeschlange unserer Zeit. 
 
