BAFFONIS KUR
Auch an diesem Morgen war Amelia nicht erschienen.
Das stand nun außer Zweifel. Kein rötlicher Schwanz unter dem Aschgrau der anderen. Kein Gurren, das wie ein Dankeschön für die Brotkrümel klang, war zu vernehmen. Ein säuerlicher Waldbeergeruch ließ nicht auf sich warten und erreichte Baffoni, der zusammengekauert und gedankenverloren auf der Bank saß, jenseits des grün goldenen Flimmerns, das die Brise im Laub von zwei nahen Steineichen hervorrief. Wahrscheinlich war es nur Einbildung. Ein fehlgeleiteter Impuls seines Geruchsinns, denn die Eisdiele "Pierre", die ein auf den Platz ragendes Gebäude aus den Fünfziger Jahren schmückte, war noch geschlossen.
So war es wieder geschehen, dass eine Abwesenheit den exotischen Geruch von Gebirge in ihm wachrief und ihn in die Begleitung von Gedanken an eines dieser gemeinsamen Gedächtnisfragmente zog, die seltenes, aber tief empfundenes Lachen, Einverständnis ohne das geringste Zeichen und Küsse auf Ohrläppchen mit blondem Flaum in sich einschlossen.
"Ach! Was soll's, warum Saphire auf die kurzatmige Seite des Herzens werfen...", sagte sich Baffoni, wobei er sein Zahnfleisch und die lange Brücke von sieben Zähnen, die im linken Kiefer noch erhalten geblieben waren, in Mitleidenschaft zog. Verstohlen hob er zwei kleine Kieselsteine auf, ein Blick in die Runde, ob ihn auch niemand des Bösen bezichtigen könne und dann runter damit, erst einen und dann noch einen, da wo das Pflaster noch im Dunkeln lag. Doch war kein neues Getrippel zu vernehmen. Da stand er auf, hob die Flügel seiner schwarzen Jacke an und begann sie wie die einer großen Fledermaus auf und ab zu bewegen, indem er im Rhythmus der mehr aus Vokalen als aus Zischlauten bestehenden os! os! Rufe zu einem tänzelnden Zickzacklauf ansetzte.
Von den über den Dächern verschwundenen Tauben keine Spur. Nur ein paar Staubwölkchen waren geblieben und einige auf den Boden zu schwebende Federn hier ...
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