Friedrich Gerstäcker
Unter dem Äquator
1. EIN FIDELER ABEND UNTER DEM ÄQUATOR
In Cramat, einer der freundlichen Vorstädte Batavias, war eine Anzahl von jungen Leuten auf dem Anwesen1) eines ihrer Gesellschaft versammelt, um dort einen fröhlichen Abend zu verbringen. Leopold van Roeken feierte heute seinen fünfundzwanzigsten Geburtstag und hatte nicht nur beschlossen, sein erstes Viertel vom Jahrhundert in würdiger Weise zu verlassen, sondern auch das zweite auf gleiche Art - und keineswegs nüchtern - anzutreten. Passende und willkommene Gesellschaft fand er dazu leicht. Es waren, außer seinem eigenen Kompagnon, einem Deutschen, lauter junge holländische Kaufleute, neun an der Zahl, teils eigene Geschäfte betreibende, teils Buchhalter der bedeutenden Maatchappey; und schon um den reichgedeckten Tisch geschart, sprudelte der fröhliche Humor der Versammelten mit den fliegenden Champagnerpfropfen lustig ins Freie.
Der Holländer hat darin große Ähnlichkeit mit dem Deutschen, seinem nahen Verwandten, daß er beim Essen gern und viel spricht. Er verzehrt dadurch die Speisen nicht so rasch und verdaut besser, während der Amerikaner in scharfem Kontrast dazu bei der Mahlzeit kein Wort mit dem Nachbarn wechselt und die Speisen so rasch wie möglich hinunterschlingt. »Time is money«, denkt er dabei, was liegt ihm an dem Körper, den er ja doch nur dazu benutzt, Geld - immer nur Geld - zu verdienen. Der Holländer verdient ebenso gern Geld wie er, aber er tut es auf vernünftigere Weise. Wir leben nur einmal, und er will, während er lebt, auch genießen. Wo das mit Maß geschieht, ist er im vollen Recht, und Unmäßigkeit bildet überhaupt kein hervorstechendes Laster der Niederländer.
Zahlreiche malaiische Diener umgaben die Tafel, jeden Wunsch der Gäste rasch zu befriedigen, und als man die warmen Speisen beendet hatte, trugen sie Unmengen der herrlichsten Früchte herein, denn Java wird darin von keinem Land der Welt übertroffen. Die Insel selber erzeugt schon eine große Zahl ihr eigentümlicher ...
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